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Krause-Rezeption

Ureña, E. M., Seidel, J.: Die Krause-Rezeption in Deutschland im 19. Jahrhundert. Philosophie - Religion - Staat. Spekulation und Erfahrung II, 55. Abteilung II: Untersuchungen. Stuttgart - Bad Cannstatt 2007.

In der Zeit nach dem Tod von Karl Christian Friedrich Krause (1832) wurde in der Philosophie darum gerungen, die umwälzende Kraft des deutschen Idealismus zeitgemäß zu retten. In diesem Zusammenhang spielte Krause eine wichtige Rolle. Der von Enrique M. Ureña unter Mitarbeit von Johannes Seidel vorgelegte Band soll dazu beitragen, Krause und seiner Philosophie innerhalb der deutschen Philosophiegeschichte den ihnen gebührenden Platz einzuräumen.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil behandelt die Rezeption der Philosophie Krauses in deutschen Lehrbüchern und Zeitschriften in den Jahren 1833-1900; hierin geht es um die philosophische Rezeption im engeren Sinne.
Da Krauses Philosophie aber immer auch in besonderer Weise auf die Praxis hin orientiert war, versuchten sowohl Krause als auch seine Schüler, diese Philosophie ins konkrete Leben umzusetzen. Im zweiten Teil des Bandes wird gezeigt, wie die Krauseaner auf drei gesellschaftlich vorwärtstreibende Strömungen Einfluss nahmen: auf die freireligiösen Gemeinden (Kapitel IV), auf die neuen sozio-ökonomischen Richtungen (Kapitel V) und auf die Frauenbewegung (Kapitel VI).

Die drei ersten Kapitel geben einen ausführlichen Überblick über die philosophische Rezeption Krauses von seinem Tod 1832 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Sein System wurde verstärkt rezipiert in Lehrbüchern, in Ruges, Schweglers und Noacks Jahrbüchern, aber auch beispielsweise in I. H. Fichtes „Zeitschrift für Philosophie". Wichtigster Ertrag dieses Überblicks ist, dass deutlich wird: Krauses Wesenlehre oder Panentheismus war ein spezifischer und beachtenswerter Versuch, die Gegensatzpaare Theismus - Pantheismus, Geist - Natur, Idealismus - Realismus, Subjektivismus - Objektivismus, Ichlehre - Identitätssystem bzw. Fichte - Schelling einer befriedigenden Vermittlung zuzuführen. Oder mit den Worten von J.E. Erdmann: „[Allein Krause und Hegel teilen die Ehre], die Summe aus dem gezogen zu haben, was die bisherige Entwicklung der Wissenschaft nahe gelegt hatte".
Die Bewegung des Deutschkatholizismus ist heute sehr wenig bekannt. Kapitel IV zeigt detailliert das religionsphilosophische Interesse der Krauseaner an dieser Bewegung sowie den Einfluss, den Hermann von Leonhardi mit seiner Krauseschen Religionsphilosophie auf das zweite und letzte Konzil der Deutschkatholiken ausübte. Darin wird Krauses Verhältnisbestimmung von Vernunftreligion und historischen Religionen sichtbar. 
Krauses Rechts- und Staatsphilosophie wurde - vor allem durch die Bemühungen von Heinrich Ahrens und Karl David August Röder - sowohl in Deutschland als auch im Ausland rezipiert. Kapitel V hat zwei Untersuchungsschwerpunkte: erstens die bisher kaum erforschte frühe theoretisch-praktische Rezeption der Krauseschen Rechts- und Staatsphilosophie durch die Saint-Simonisten in Frankreich; zweitens den - vor allem durch Ahrens vermittelten - Einfluss der Krauseschen Philosophie auf die Tübinger volkswirtschaftliche Schule, hauptsächlich auf Albert Schäffle.
Schließlich zeigt Kapitel VI, wie eng die Krauseschüler die erste wichtige Frauenbewegung Deutschlands - den von Louise Otto-Peters begründeten Allgemeinen Deutschen Frauenverein - in Theorie und Praxis unterstützten. Diesem Verein galt Krause als der erste Philosoph, der die Gleichberechtigung der Frau philosophisch untermauerte. Durch die Krauseaner und die von ihnen veranstalteten Philosophenkongresse kam es darüber hinaus zu einer wegweisenden Zusammenarbeit zwischen der Frauenbewegung und dem von Bertha von Marenholtz-Bülow geleiteten fröbelianischen Allgemeinen Erziehungsverein.

 

 

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© Johannes Seidel SJ (20.12.2006)

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