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Rückblick 2004

Rückblick auf das Jahr 2004

Frau Dipl. theol. Karoline Dietrich M.A., die bisherige Menschenrechtsbeauftragte des Instituts, wechselte nach Abschluss ihrer Studie »Interreligiöse Entwicklungszusammenarbeit« im Herbst 2004 zu einem entwicklungsländerbezogenen Aufbaustudium an die ETH Zürich. Die Studie wird unter dem genannten Titel (ISBN 3 8258 8255 1) beim LIT-Verlag in Münster publiziert. Frau Dietrich wird noch an der Vorbereitung einer Fachkonferenz im Anschluss an diese Studie (voraussichtlich Anfang 2006) beteiligt sein.

J. Wallacher wurde als Mitglied in die Deutsche Kommission Justitia et Pax berufen. Er wurde außerdem zum Moderator des Sachbereichs Entwicklung bestellt und kann so seine bisherige Beratertätigkeit verstärkt fortsetzen.

Das am Institut angesiedelte und von M. Kiefer bearbeitete Forschungsprojekt »Kirchliche Stellungnahmen aus ausgewählten Partnerkirchen zum Thema Globalisierung - Bestandsaufnahme und Analyse« wurde im Jahr 2004 abgeschlossen. M. Kiefer hat die Ergebnisse dem Auftraggeber, der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz, im Juni 2004 vorgestellt. Die Studie soll 2005 veröffentlicht werden.

Im Wintersemester 2004/2005 startete an der Hochschule für Philosophie in der Verantwortung des Instituts das Zusatzstudium »Grundlagen der Sozialwissenschaften« mit 17 Studierenden. Dieses zwei- bis dreisemestrige Weiterbildungsangebot setzt sich aus drei gleich gewichteten Themenschwerpunkten zusammen: Sozialphilosophische Grundlegung, Einführung in die Sozialwissenschaften und Internationale Zusammenarbeit und Entwicklung. Die einzelnen Lehrveranstaltungen werden nach dem European Credit System angerechnet. Zulassungsvoraussetzung ist ein abgeschlossenes Erststudium. Pro Semester wird ein Studiengebühr von 100 € erhoben. Der erfolgreiche Abschluss des Zusatzstudiums wird mit einem staatlich anerkannten Zertifikat beglaubigt.

Auch im Jahr 2004 fand unter Leitung von J. Müller das »Sozialethische Kolloquium« statt, in dem ausgewählte Themen (z.B. Forschungsprojekte und Doktorarbeiten) und Autoren aus dem Bereich der Sozialwissenschaften und Sozialethik unter besonderer Berücksichtigung internationaler Fragestellungen diskutiert wurden. Gastvorträge in diesem Rahmen hielten P. Peter Henriot SJ (Lusaka/Sambia) über ein neues afrikanisches Netzwerk zur kirchlichen Soziallehre und Prof. Klaus Leisinger (Basel) über »Menschenrechte und multinationale Unternehmen«.

In Zusammenarbeit mit dem Heinrich Pesch Haus (HPH), Bildungszentrum für angewandte Ethik und gesellschaftliche Praxis in Ludwigshafen, hat das Institut die »Ludwigshafener Gespräche« konzipiert, in der sich Multiplikatoren aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kirche mit Fragen des interkulturellen Zusammenlebens beschäftigen. Die erste Veranstaltung fand am 4.-5. November 2004 zum Thema »Von welchem Kapital lebt unsere Gesellschaft? Herausforderungen angesichts gesellschaftlicher Ausdifferenzierung und kultureller Pluralität« statt. Referenten dieser von etwa 250 Teilnehmern besuchten Tagung waren u.a. Prof. Benjamin Barber (University of Maryland), Prof. Klaus Töpfer (Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Nairobi) und Dr. Heiner Geißler (Bundesminister a.D.). Ausführlichere Informationen dazu unter: www.ludwigshafener-gespraeche.de

Weiterentwickelt wurde das Online-Projekt des Heinrich Pesch Hauses »E-Globalisierung«, dessen Inhalte vom Institut konzipiert und verfasst wurden. Das Projekt verbindet aktuelle Fragen der Globalisierung mit Weiterbildungsmöglichkeiten eines online-basierten Lernens, eröffnet also über das Internet Möglichkeiten der Information, Kommunikation, Bearbeitung und Organisation von Bildungsprozessen zu Fragen der Globalisierung. Zur Erprobung seines pädagogischen Potenzials hielten J. Wallacher und M. Reder ein Hauptseminar an der Hochschule zum Thema »Globalisierung als politische und ethische Herausforderung«, das zur Hälfte online über die Lernplattform abgehalten wurde. Diskussionsforen und Chats dienten der Erarbeitung der Lerninhalte und der Einübung in diese Kommunikationsform. Seit September 2004 betreuen außerdem einige Promovenden der Hochschule als Tutoren einen weiteren Kurs des Online-Projektes für Schüler und Schülerinnen aus sieben Gymnasien. Die Erfahrungen der Pilotphase wurden inzwischen evaluiert und können auf der Seite www.e-globalisierung.de unter der Rubrik 'Aktuelles' eingesehen werden.

Die Seminarreihe »Soziale Netze in Europa« wurde, ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem HPH, maßgeblich von Mitgliedern des Instituts (M. Schöpf, dem Koordinator bis Oktober 2004, und M. Kiefer) konzipiert, organisiert und zum Teil auch durchgeführt. Für die Zielgruppe der Studierenden, Lehrenden und Berufstätigen in der Sozialen Arbeit fanden im Jahr 2004 Seminare in London, Brüssel und Vilnius statt. Das Seminar in Brüssel wurde im Hinblick auf eine vergleichende Analyse der Sozialpolitik auf der Ebene der Europäischen Union neu konzipiert. Bemerkenswert ist eine Internationalisierung der Teilnehmergruppen und der beteiligten Einrichtungen, namentlich dank der mittlerweile fest institutionalisierten Kooperation deutscher Hochschulen und US-amerikanischer Universitäten.

In Zusammenarbeit mit der Akademie für politische Bildung in Tutzing und Nachwuchswissenschaftlern der Hochschule und der Ludwig-Maximilians-Universität München veranstalteten K. Dietrich, M. Kiefer, M. Reder und M. Schöpf, alle am Institut tätig, vom 6.-9. Mai eine Tagung zum Thema »Zivilgesellschaft - Chancen und Grenzen eines sozialwissenschaftlich-philosophischen Konzepts« für rund 50 Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes. Ziel der Veranstaltung war es herauszuarbeiten, in welchen unterschiedlichen Formen Zivilgesellschaft thematisiert wird und wie überzeugend die einzelnen Zugänge sind. Die Ergebnisse der Tagung werden Anfang 2005 im Kohlhammer-Verlag in Stuttgart publiziert.

Das Institut war als Teil eines breiten Bündnis aus Flüchtlings-, Kirchen- und Bildungsrichtungen Mitveranstalter eines Studientages zur Abschiebungshaft, der am 29.9.2004 in der Hochschule stattfand und von 130 Teilnehmenden besucht wurde. Am Vormittag kamen in Vorträgen die rechtliche, sozialethische und europäische Dimension der Abschiebungshaft zur Sprache. Am Nachmittag behandelten Arbeitsgruppen praktische Fragen (z.B. soziale Betreuung, Seelsorge, Auslegung der Rechtsvorschriften, Handlungsmöglichkeiten für NGOs). Eine Podiumsdiskussion zum Thema »Abschaffung der Abschiebungshaft?« schloss den Tag ab. Eine Dokumentation des Studientags ist in Vorbereitung und wird bei M. Hainz zu bestellen sein.

A. Gösele und M. Hainz hielten vom 8.-10. März im Noviziat der deutschsprachigen Jesuitenprovinzen ein dreitägiges Seminar über »Glaube und Gerechtigkeit«. Neben biblischen und ignatianischen Grundlagen der Option für die Armen und Dokumenten der letzten Generalkongregationen des Ordens wurde auch das heutige Sozialapostolat der Jesuiten vorgestellt.

M. Reder stellte in seinem Beitrag »Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie in München« in der Zeitschrift für Wirtschafts und Unternehmensethik 5 (2004) 2, 212214, das Profil des Instituts einer fachlich interessierten Öffentlichkeit vor.

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