Rückblick 2006
Rückblick auf das Jahr 2006
50jähriges Jubiläum
Am 18. Januar 1956 eröffnete der Jesuitenorden in Mannheim das Heinrich Pesch Haus. 1971 zog der sozialwissenschaftliche Teil mit der Bibliothek nach München und wurde als »INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSPOLITIK« der Hochschule für Philosophie als eigenständiges Institut angegliedert. Die soziale Bildungsarbeit zog als das heutige Heinrich Pesch Haus nach Ludwigshafen.
Aus Anlass dieses 50jährigen Jubiläums fand am 13.07.2006 ein kleiner Festakt in der Aula der Hochschule für Philosophie in München statt. Nach Grußadressen von P. Stefan Dartmann (Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten) und Prof. Dr. Michael Bordt (Rektor der Hochschule für Philosophie) sowie einem geschichtlichen Abriss von J. Müller (Leiter des Instituts seit 1986) hielt der ehemalige Mitarbeiter des Heinrich Pesch Hauses, spätere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen und heutige Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Prof. Dr. Bernhard Vogel, einen Festvortrag zum Thema: »Chancen und Risiken der Katholischen Soziallehre angesichts globaler Herausforderungen.« Ehemalige Mitarbeiter, Freunde des Instituts und Studierende der Hochschule waren zu diesem festlichen Anlass gekommen.
Gemeinsam luden das heutige Heinrich Pesch Haus und das Institut für Gesellschaftspolitik zu einer offiziellen Festakademie unter dem Titel »50 Jahre katholisch-sozial orientierte politische Bildung – ein Grund zum Feiern!« am 23./24. September 2006 nach Ludwigshafen ein. Bischof Dr. Anton Schlembach (Speyer) zelebrierte den Festgottesdienst, und P. Leo J. O'Donovan, ehemaliger Präsident der Georgetown Universität in Washington, hielt die Festansprache zum Thema: »Eine globale Ethik zwischen Ideologie und Notwendigkeit«. Über 350 Gäste waren zu diesem Jubiläum gekommen, darunter der langjährige Freund des Hauses, Dr. Helmut Kohl, und die beiden ehemaligen Mitarbeiter, Prof. Dr. Bernhard Vogel und der baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus.
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
Bedauerlicherweise musste Prof. Dr. Hans Zwiefelhofer SJ, Leiter des Instituts 1971-1976, im Oktober 2006 gesundheitsbedingt vom Berchmanskolleg in München in die Kranken- und Pflegestation der Jesuitengemeinschaft »Pedro Arrupe« nach Unterhaching (Biberger Str. 8, 82008 Unterhaching, Tel.: 089-615208-0) umziehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünschen ihm alles Gute und werden im Kontakt mit ihm bleiben.
J. Wallacher wurde im vergangenen Jahr habilitiert und am 15. Oktober 2006 zum Professor für Sozialwissenschaften und Wirtschaftsethik an der Hochschule für Philosophie ernannt.
N. Brieskorn hatte nach seinem Rektorat ein wohlverdientes Freisemester, das er im Winter 2005/06 am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt verbrachte. Anfang April 2006 ist er wieder in das Institut für Gesellschaftspolitik eingezogen.
Afrika-Tagung des Scribani-Netzwerks
Vom 6.-8. September 2006 richtete das Institut zusammen mit dem
Scribani-Netzwerk europäischer Jesuiteneinrichtungen mit Sitz
in Antwerpen eine internationale Tagung zum Thema »Africa and
Europe. Cooperation in a globalised world« aus. Die Leitung
der Tagung, die in den Räumen der Hochschule für
Philosophie in München stattfand, lag bei J. Müller, die
Organisation und Koordination hauptsächlich bei M. Reder und
S. Eibl. Die Konferenz nahm das vom Generaloberen der Jesuiten,
Peter-Hans Kolvenbach, formulierte Anliegen auf, Afrika zu einem
zentralen Thema der Arbeit des Ordens zu machen. In diesem Sinne
unterzog die Tagung zunächst das Verhältnis von Afrika
und Europa einer eingehenden Analyse durch namhafte Fachleute (u.a.
Claire Short). In einem zweiten Schritt wurde danach gefragt, wie
Kooperationen zwischen den beiden Kontinenten in Zukunft sinnvoll
gestaltet werden können. Im gemeinsamen Austausch wurden
Lösungswege für gravierende Probleme wie Armut, Migration
oder HIV/AIDS diskutiert. An der Tagung nahmen ungefähr 150
Teilnehmer aus Afrika und Europa teil: Jesuiten, Politiker,
Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft. Eine
Veröffentlichung der Referate in Buchform sowie eine
kompaktere Broschüre sind in Vorbereitung. Weitere
Informationen bei M. Reder (michael.reder@hfph.mwn.de). Die
Diskussionen der Tagung sind dokumentiert auf der
Scribani-Homepage:
(http://www.scribani.net ÷ Activities: Seitenende ÷
Proceedings)
Dienste für Weltkirche
Wie schon in den vergangenen Jahren hat das Institut auch 2006 auf vielfältige Weise die Anliegen der Weltkirche unterstützt. So war J. Müller Berater der Kommission X der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzender ihrer Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben. Gemeinsam mit J. Wallacher und M. Reder war er Mitglied der Sachverständigengruppe »Weltwirtschaft und Sozialethik«, die der obigen Arbeitsgruppe zugeordnet ist. Er wurde außerdem neu in den Beirat des Bischöflichen Hilfswerks Misereor berufen. Im Rahmen der Deutschen Kommission Justitia et Pax war J. Wallacher Vorsitzender des Sachbereichs Entwicklung, J. Müller war Mitglied des Sachbereichs »Religionen und Religionsfreiheit«. A. Gösele war Mitglied im Sachausschuss »Mission, Entwicklung und Frieden« des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Im Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising arbeiteten A. Gösele im Sachausschuss »Gerechtigkeit, Frieden, Entwicklung« und M. Hainz im Sachausschuss »Migration« mit.
Die von Institutsmitgliedern maßgeblich mit erarbeitete Studie »Welthandel im Dienst der Armen« der Sachverständigengruppe »Weltwirtschaft und Sozialethik« wurde von Kardinal Lehmann am 27. April 2006 anlässlich einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit nannte Kardinal Lehmann das Institut einen »Think Tank für globale Fragen« für den Bereich Weltkirche der Kirche in Deutschland. Die genannte Studie ist als Nr. 16 der von der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen Broschürenreihe erschienen und auch online verfügbar:(schriften/dbk7.wissarbeitsgruppe/wag_br016.pdf).
Eine Fachkonferenz unter der Leitung von J. Müller zum Thema »Interreligiöse Solidarität im Einsatz für die Armen« vom 27.-28. März 2006 in Mainz schloss ein mehrjähriges Forschungsprojekt zur interreligiösen Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz ab. Grund- lage war die von der ehemaligen Mitarbeiterin des Instituts, Karoline Dietrich, erstellte Studie »Interreligiöse Entwicklungszusammen-arbeit. Erfahrungen der Hilfswerke und Literaturstudie zu Indonesion, Malaysia, Philippinen« (Münster 2005). Ziel war es, Anregungen für die Arbeit der kirchlichen Hilfswerke zu geben. Ein von J. Müller und M. Reder herausgegebener Tagungsband soll Anfang 2007 erscheinen.
Hochschule für Philosophie
Auch im Jahr 2006 fand unter Leitung von J. Müller und J. Wallacher in regelmäßigen Abständigen ein »Sozialethisches Kolloquium« statt, in dem ausgewählte Themen aus dem Bereich der Sozialwissenschaften und Sozialethik unter besonderer Berücksichtigung internationaler Fragestellungen diskutiert wurden. Das sonstige Lehrangebot der Instituts- mitglieder (S. 16-17) war wesentlicher Baustein des Zusatz-studiums »Grundlagen der Sozialwissenschaften«.
Am 1. Januar 2006 übernahm J. Wallacher von J. Müller die Leitung des Forschungs- und Studienprojekts »Globale Solidarität – Schritte zu einer neuen Weltkultur« der Rottendorf-Stiftung an der Hochschule für Philosophie. J. Müller als Mitglied des Beirats und insbesondere M. Kiefer als Assistent trugen wie schon in den Vorjahren wesentlich zur erfolgreichen Tätigkeit des Forschungs- und Studienprojekts bei.
A. Gösele hatte wesentlich Anteil daran, dass in Zusammen- arbeit mit mehreren Studierenden der Hochschule eine neue und vielseitiger nutzbare Webseite für die Hochschule entwickelt wurde.
Zusammenarbeit mit dem Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen
Auch im Jahr 2006 setzte sich die enge Zusammenarbeit mit dem Heinrich Pesch Haus, Bildungszentrum für angewandte Ethik und gesellschaftliche Praxis in Ludwigshafen, fort. Dies zeigte nicht nur die enge Kooperation anlässlich der Jubiläumsveranstaltungen in München und Ludwigshafen (siehe oben), sondern auch der Fortgang gemeinsamer Projekte. So war das Institut wie schon in den vergangenen Jahren an der Vorbereitung und Leitung der »Ludwigshafener Gespräche« beteiligt, die vom 9.-10. November zum Thema »Religionen im Prozess der Globalisierung« stattfanden und von bis zu 170 Personen besucht wurden. Hauptredner waren Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, und Prof. Dr. Reinhard Marx, Bischof von Trier. Weitere Referenten waren Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Graf (München), Prof. Dr. Claus Leggewie (Gießen), Prof. Dr. Paulo Suess (Sao Paulo) und Prof. Dr. Tahsin Görgün (Istanbul). Eine Publikation aller Referate ist in Vorbereitung.
Weit gediehen ist inzwischen das E-Learning-Projekt »Aktuelle Herausforderungen der Katholischen Soziallehre«, das ebenfalls in Kooperation mit dem Heinrich Pesch Haus erstellt wird und zu dem mehrere externe Fachleute Beiträge liefern. Die ersten Texte wurden bereits ins Netz gestellt. Der Abschluss des Projekts soll bis Frühjahr 2007 erfolgen. Vom Institut arbeiten M. Reder (Koordination), N. Brieskorn, M. Hainz, J. Müller und J. Wallacher an diesem Projekt mit.
Bereits eine langjährige Tradition hat die Mitarbeit des Instituts an der Reihe »Soziale Netze in Europa« des Heinrich Pesch Hauses. Im Jahr 2006 leitete M. Kiefer ein einwöchiges Seminar für Studierende der Fachhochschule Wiesbaden in London.
Jesuitische Netzwerke
Bereits zum zweiten Mal fand 2006 das vom Institut für Gesellschaftspolitik in München und dem Nell-Breuning-Institut in Frankfurt gemeinsam getragene, so genannte »Mün- chen-Frankfurt-Treffen« statt. Aus diesem Anlass kamen vom 20.-21. Januar Mitarbeitende der genannten und anderer jesuitischer Institutionen im deutschsprachigen Raum in Frankfurt zusammen. Das Treffen diente dem fachlichen Austausch und der Diskussion über das Thema »Global Compact«.
Vom 6.-9. September war das Institut an der Organisation und Durchführung der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Soziale Gerechtigkeit (Sozialapostolat SJ) in Nürnberg beteiligt, das von A. Gösele vorbereitet und koordiniert wurde. Diskutiert wurden neue soziale Initiativen im Jesuitenorden, die Verankerung der sozialen Dimension in der Ausbildung jüngerer Jesuiten sowie eine Neuordnung der Leitung und Tagungspraxis der Arbeitsgemeinschaft selbst. A. Gösele nahm als Koordinator des deutschsprachigen Sozialapostolats SJ im Mai 2006 auch am Treffen aller Regionalkoordinatoren in Rom teil. Vom 27.-29. März hielten A. Gösele und M. Hainz im Noviziat der deutschsprachigen Jesuiten ein Seminar über »Glaube und Gerechtigkeit«.
Nach wie vor besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Jesuit Refugee Service (JRS). Das Institut war Mitveranstalter eines Studientages zur Abschiebungshaft, an dem am 18. Mai 170 Personen in der Katholischen Stiftungsfachschule für Sozialwesen in München teilnahmen. Ebenso gibt es eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Zeitschrift »Stimmen der Zeit«, in der auch 2006 mehrere Mitarbeiter des Instituts Artikel, sonstige Beiträge und Rezensionen schrieben.
Sonstige Kooperationen
Das Institut (namentlich: J. Wallacher und M. Reder) hat am
17.11.2006 in der Räumen der Hochschule zusammen mit dem Eine
Welt Netzwerk Bayern e.V., dem Zusammenschluss der bayerischen
entwicklungspolitischen Nichtregierungs-organisationen, erstmals
einen »Runden Tisch Bayern. Sozial- und Umweltstandards bei
Unternehmen« durchgeführt. Teilgenommen haben Vertreter
von multinationalen wie kleineren und mittelständischen
Unternehmen, der Gewerkschaften, der Wissenschaft,
Wirtschaftsverbände, Kirchen und
Nichtregierungsorganisationen. Ziel dieser Veranstaltung war es,
gemeinsam Anforderungen und Ideen für eine stärkere
Beachtung und bessere Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards zu
formulieren. Eine Tagungsdokumentation wird voraussichtlich ab
Anfang 2007 beim Eine Welt Netzwerk Bayern
(www.eineweltnetzwerkbayern.de) erhältlich sein. Ein zweiter
Runder Tisch ist für Herbst 2007 geplant.
