Walter Kerber
Nachruf auf Pater Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Walter Kerber SJ (1926-2006)
Walter Kerber wurde am 28. März 1926 als Sohn von Joseph und Rosa Kerber in Karlsruhe geboren. Nach dem Besuch des dortigen Bismarckgymnasiums wurde er im Januar 1944 zu einer Luftnachrichtentruppe eingezogen und erlebte noch die Sinnlosigkeit und Härte des Zweiten Weltkrieges.
Am 15.9.1945 trat er in die Gesellschaft Jesu ein. Auf der Rottmanshöhe am Starnberger See und in Tisis bei Feldkirch machte er unter P. Otto Pies sein zweijähriges Noviziat, studierte 1947-1950 Philosophie in Pullach und 1952-1956 Theologie in West Baden (USA). Dort wurde er am 15.6.1955 auch zum Priester geweiht. 1957-1965 absolvierte er Spezialstudien der Philosophie und Nationalökonomie an der Gregoriana in Rom und an der Universität Freiburg, die jeweils mit einem Dokorat abschloss.
Nach ersten Lehrtätigkeiten am Berchmanskolleg S.J. in Pullach wurde er dort 1969 zum ordentlichen Professor für »Allgemeine Ethik« und »Sozialethik« ernannt. Nach dem Umzug 1971 setzte er seine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Philosophie in München bis zu seiner Emeritierung 1994 fort. 1976-1986 war er auch Leiter des Instituts für Gesellschaftspolitik. 1984-1995 leitete er das Forschungs- und Studienprojekt »Fragen einer neuen Weltkultur« der Rottendorf-Stiftung an der Hochschule für Philosophie.
Als Lehrer verstand er es, sein Vorlesungen mit vielen Beispielen aus aktuellen Debatten anzureichern. Im Dialog und mit Hilfe präziser Argumente versuchte er seine Studierenden zur eigenen Entscheidungsfindung hinzuführen. In zahllosen Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Publikationen sowie als Mitglied vieler wissenschaftlicher und kirchlicher Organisationen und Gremien stellte er sich den oft schwierigen aktuellen ethischen Fragen, angefangen vom Hungerstreik politischer Häftlinge bis hin zum Gelöbnis der Bundeswehrsoldaten. Er bemühte sich stets, sachgerechte Antworten aus christlichem Geist zu finden. Ein großes Anliegen waren ihm die Verbindung von Glauben und Gerechtigkeit im Sinne der 32. Generalkongregation des Jesuitenordens sowie die Erneuerung und Verbreitung der katholischen Soziallehre. Immer verband er die Loyalität zur Kirche mit der Wachheit und Redlichkeit eines nüchternen Wissenschaftlers. Er verstand es, Fragen zu stellen und Unterscheidungen in guter scholastischer Tradition vorzunehmen. Weil es ihm immer vor allem um die Sache selbst ging, konnte er seinen Gesprächspartnern und Zuhörern nahebringen, dass es sich lohnt, der Wahrheit nachzuspüren. So war P. Kerber ein Mensch, der mit großer Beharrlichkeit und auf eine sehr subtile Art seine Fragen vortrug und Antworten kritisch begutachtete.
Aufgrund einer schnell voran schreitenden Parkinsonerkrankung musste er im Juli 1997 in die Pflegestation der Jesuitengemeinschaft »Pedro Arrupe« in Unterhaching umziehen. Immer wieder aufgemuntert durch ehemalige Schüler und umsorgt vom Pflegepersonal und seinen Mitbrüdern hatte er, bis in die letzten Monate geistig wach und interessiert, eine lange Leidenszeit durchzustehen, bis er am am 26. Februar 2006 starb. Möge Gott ihm vergelten, was er in seinem oft mühevollen und treuen Einsatz für Gottes Reich und seine Gerechtigkeit getan hat.
Ausgewählte Veröffentlichungen:
Herausgeber folgender Bände in der Schriftenreihe »Fragen einer neuen Weltkultur« im Peter Kindt Verlag, München:
- Säkularisierung und Wertewandel. Analysen und Überlegungen zur gesellschaftlichen Situation in Europa, München 1986.
- (Mit F.X.Kaufmann und P.M.Zulehner): Ethos und Religion bei Führungskräften, München 1986.
- Das Absolute in der Ethik, München 1991.
- Menschenrechte und kulturelle Identität, München 1991.
- Wie tolerant ist der Islam? München 1991.
- Der Begriff der Religion, München 1992.
- Die Wahrheit der Religionen, München 1994.
- Religion: Grundlage oder Hindernis des Friedens?, München 1995.
- Religion und prosoziales Verhalten, München 1995.
- Personenkulut und Heiligenverehrung, München 1997.
Hg. (mit H.Ertl und M.Hainz): Katholische Gesellschaftslehre im Überblick. 100 Jahre Sozialverkündigung der Kirche, Frankfurt/M. 1991.
Hg. (mit J.Müller): Soziales Denken in einer zerrissenen Welt. Anstöße der Katholischen Soziallehre in Europa, Freiburg u.a. 1991.
Vor neuen Herausforderungen der Menschheit. Enzyklika »Centesimus annus« Papst Johannes Pauls II, Freiburg 1991.
Sozialethik, Stuttgart usw. 1998.
