Ethik der Nachhaltigkeit
Proseminar, 2stündig, Mittwoch 15-17 Uhr; ab 24.10.2007.
Thematik:
Das Prinzip der Nachhaltigkeit, das ursprünglich aus der Fortwirtschaft stammt, ist seit dem Abschlussbericht über „Unsere Gemeinsame Zukunft“ der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung von 1987 in aller Munde. Als nachhaltig (sustainable) gilt danach „eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“. Die „steile Karriere“, die dieser Begriff seit dem gemacht hat, wird freilich immer mehr auch zu einem Problem, besonders weil die Umsetzung dieser anspruchsvollen Zielsetzung auf gewaltige Hindernisse und Widerstände stößt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass dieses Konzept nicht abschließend definiert ist und je nach Konkretisierung für ganz unterschiedliche Interessen herangezogen werden kann. So wird dieser Begriff in ganz verschiedenen Kontexten verwendet, wenn etwa nicht nur von nachhaltiger Entwicklung, sondern auch von nachhaltiger Politik, nachhaltigem Unternehmenserfolg oder nachhaltiger Architektur die Rede ist. Jede dieser Konzeptionen beruht freilich auf bestimmten Wertprämissen und bezieht sich zumindest implizit auch auf eine ethische Begründung. Für eine Ethik der Nachhaltigkeit erwächst daraus die Herausforderung, diese Voraussetzungen offen zu legen und kritisch zu reflektieren.
Ziel dieses Proseminars ist es, die vielfältigen ethischen Fragen, die sich im Kontext der Nachhaltigkeit stellen, zu erörtern. Damit wird zum einen in eine interdisziplinäre Vorgehensweise eingeführt, zum anderen wird ein erster Zugang zu umweltethischen Positionen eröffnet.
Gliederung:
Jede Sitzung behandelt einen Aspekt der Nachhaltigkeitsdebatte (Begriffsgeschichte, konzeptionelle Klärung, Herausforderungen für Soziologie und Ökonomie), wobei der Schwerpunkt auf systematischen ethischen Fragestellungen liegt (Bezug zur Umweltethik und Gerechtigkeitsdebatte, mögliche Begründungen der Nachhaltigkeit). Die Verteilung der Themen erfolgt in der ersten Sitzung.
Methode:
Gemeinsame Erarbeitung und Diskussion der Texte mit thesenartigen Inputs. Zur Vorbereitung werden Texte mit einigen Leitfragen verteilt, welche die Teilnehmenden gründlich vorbereiten.
Voraussetzungen und Qualifikation:
Sorgfältige Vorbereitung der Texte anhand der Leitfragen. Bereitschaft zur Erarbeitung von begründeten Thesen, Präsenzpflicht sowie zwei kleinere schriftliche Arbeiten.
Einführende Literatur:
Bobbert, M. u.a. (Hrsg.), Umwelt-Ethik-Recht, Tübingen/Basel 2003.
Ekardt, Felix: Das Prinzip Nachhaltigkeit. Generationengerechtigkeit und globale Gerechtigkeit, München 2005.
Diefenbacher, Hans: Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit: zum Verhältnis von Ethik und Ökonomie, Darmstadt 2001
Hauff, Volker (Hg.): Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, Greven 1987
Kreibich, Rolf (Hg.): Nachhaltige Entwicklung. Leitbild für die Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft, Weinheim-Basel 1996
Lienkamp, Andreas: Steile Karriere. Das Nachhaltigkeitsleitbild in der umweltpolitischen und ethischen Debatte, in HerderKorrespondenz 54 (2000), 464-469.
Ott, Konrad & Gorke, M (Hrsg.): Spektrum der Umweltethik, Marburg 2000
Vogt, Markus, Art. „Sustainable Development“, In: W. Korff u.a. (Hrsg.), Lexikon der Bioethik, Gütersloh 1998, Band 3, 500ff.
