„Beyond Utilitarianism“
Zur Bedeutung des Fähigkeiten-Ansatzes von Amartya Sen für die Entwicklungs- und Wirtschaftsethik
Wallacher
„Beyond Utilitarianism“. Zur Bedeutung des Fähigkeiten-Ansatzes von Amartya Sen für die Entwicklungs- und Wirtschaftsethik [F3, F11]. 2stdg., Donnerstag 17-19 Uhr; ab 17.04.2008
In Zusammenarbeit mit Martin Kowarsch M.A.
Thematik:
Die Grundlagen für den „Capability“-Ansatz, im Deutschen häufig auch als Fähigkeiten-Ansatz übersetzt, wurden seit Ende der 1970er Jahre wesentlich von dem indischstämmigen Ökonomen und Philosophen Amaryta K. Sen erarbeitet. Ausgangspunkt dieses Konzepts ist die Kritik des Utilitarismus, der in seinen verschiedenen Varianten auch die Grundlage der ökonomischen Standardlehre bildet. Sens zentraler Einwand bezieht sich v.a. darauf, dass der Utilitarismus bei der Bewertung von Handlungen, Institutionen oder Zuständen zu wenige Informationen berücksichtigt. Damit weisen nicht nur der Nutzen als zentraler Bewertungsmaßstab, sondern auch die aus dem utilitaristischen Kalkül abgeleiteten Indikatoren für individuelle Wohlfahrt und gesellschaftliche Entwicklung wie das Pro-Kopf-Einkommen oder dessen Wachstum schwerwiegende Mängel auf. Denn Armut und Unterentwicklung bedeutet keineswegs nur einen Mangel an Einkommen, sondern ist in der Regel auch mit mangelndem Zugang zu demokratischer Mitbestimmung und grundlegenden gesellschaftlichen Leistungen wie Grundbildung oder Gesundheitsversorgung verbunden. Sen sieht daher die Notwendigkeit, eine utilitaristische Betrachtung zu überschreiten. Dazu führt er mit dem Fähigkeiten-Ansatz einen alternativen und erweiterten (normativen) Bewertungsrahmen für individuelle Wohlfahrt und sozialen Wandel ein. Dabei ist er sich durchaus der Bedeutung von Gütern und materiellem Wohlstand für individuelle Wohlfahrt und menschliche Entwicklung bewusst und schließt daher diese Faktoren in seiner Analyse keineswegs aus. Er geht aber darüber hinaus, indem Sen nicht einfach danach fragt, wie zufrieden eine Person ist oder über welche Ressourcen sie verfügen kann. Sen geht es vielmehr darum, die Stellung und den Wert von Gütern und Ressourcen für das menschliche Leben zu untersuchen, indem er von der Frage ausgeht, was eine Person tatsächlich fähig (capable of) ist, zu tun oder zu sein.
Ziel des Seminars ist es, zentrale Aspekte der Utilitarismus-Kritik von Sen und den darauf basierenden Fähigkeiten-Ansatz kennen zu lernen sowie seine Bedeutung für die Entwicklungs- und Wirtschaftsethik zu diskutieren.
Methode:
Gemeinsame Lektüre und Diskussion (auch auf der Basis thesenartiger Inputs einzelner Teilnehmer und Teilnehmerinnen) von zentralen Texten zur Seminarthematik von Amartya Sen.
Voraussetzungen:
Sorgfältige Vorbereitung der Textgrundlagen anhand von Leitfragen. Bereitschaft zur Erarbeitung von begründeten Thesen. Präsenzpflicht.
Qualifikation:
Schriftliche Arbeit.
Literatur:
Sen, Amartya: Der Lebensstandard, Hamburg 2000.
Sen, Amartya: Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft, München 2002 (dtv-Taschenbuchausgabe). Orig.: Development as Freedom, New York 1999.
Sen, Amartya: Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt, München 2007.
