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Funeralinsignien als bildhafte Zeichen im Todeskult europäischer Herrscher

Funeralinsignien sind Herrschaftszeichen, die repräsentativ in die Begräbniszeremonie ein­bezogen waren. Sie wurden in verschiedenen Zusammenhängen am Toten, an der effigies, oder in einer nicht an den Leichnam oder die effigies gebundenen repraesentatio zur Schau gestellt. Der Begriff umfaßt alle Insignien und Würdezeichen (Krone, Szepter, Schwert, Wappenrock, Helm, etc.), die innerhalb des Trauerzeremoniells Verwendung fanden. Zu ihnen gehören drei Gruppen: 1. bereits zu Lebzeiten des Herrschers existente (Krö­nungs)Insignien, die in bestimmten Fällen zu Funeralinsignien umfunktioniert wurden; 2. den Krönungsinsignien nachgebildete, aber eigens für das Trauerzeremoniell hergestellte Insig­nien; 3. Grabbeigaben. In die Forschungen einbezogen sind Kaiser aus den Geschlechtern der Karolinger, Staufer, Luxemburger, Habsburger und Hohenzollern, sowie Könige von Frankreich (Kapetinger, Valois), England (Anjou-Plantagenet), Schweden (Wasa), Böhmen (Přemysliden), Ungarn (Arpaden) und Polen (Jagiellonen), zudem Einzelbeispiele von Herzögen aus Burgund und Florenz.

 

Die ideelle Bedeutung des Gebrauchs von Insignien innerhalb eines Trauerzeremoniells war bislang nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung, wenngleich Forschungen zu den Reichsinsignien und zum Zusammenhang von Trauerkult und Staatstheologie (P. E. Schramm, H. Fillitz, J. Petersohn, R. Giesey, E. Kantorowicz, A. Klier) wichtige Grundlagen für weitere Forschungen bieten.

Aufgrund der Ergebnisse eigener Untersuchungen zur Bedeutung von Insignien, geht mein neuer Ansatz davon aus, daß Funeralinsignien gleichwertig zu Krönungsinsignien die Rechtmäßigkeit von Herrschaft symbolisierten und Tugendvorstellungen vermittelten, die insbesondere die Herrschafts- oder Staatsvorstellung legitimierten und in der Praxis Auswir­kungen auf das Rechtswesen hatten. Letzteres läßt sich am Beispiel des Szepters veran­schaulichen, das beim Krönungsritus mit Weiheformeln überreicht wurde, die auf Gerechtig­keit Bezug nehmen, und das als wichtiges Zeichen des Richters galt. Insignien kommuni­zierten die Sakralität des Herrschers als imago Dei in Form bildhafter Zeichen. Da diese Sak­ralität nicht mit dem Tod endete, gewährleisteten Funeralinsignien dem toten Herrscher vor Gott die Identifikation als guter und gerechter Herrscher. Ähnlich Piktogrammen visualisier­ten sie als kulturell vielfältig kodierte Zeichen die enge Verflechtung von Idee und Realie.

Die theologische und rechtsphilosophische Deutung von Insignien läßt sich in Text- und Bildquellen untersuchen, zu denen Krönungs- und Funeralordines, Chroniken, reale Insig­nien, Miniaturen und Graphiken gehören. Materialikonologisch ist die Tatsache von Bedeu­tung, daß Funeralinsignien sowohl aus edlen als auch aus unedlen Metallen hergestellt sein konnten. Im Hinblick auf beide Materialgruppen stellt sich ebenfalls die Frage nach einem möglicherweise durch die Materialien symbolisierten Tugendkonzept. Die über Jahrhunderte bekannte Edelsteinallegorese fand für gerechte und tugendhafte Herrscher ebenso Anwen­dung, wie unedle Metalle wie die Bronze als Symbol für verschiedene Tugenden galten. Ergänzend zu den Methoden der Text- und Bildquellenuntersuchungen, der Ikonographie und Ikonologie soll das Konzept morphologischer Bildreihen (Aby Warburg) Anwendung fin­den, das der didaktischen Klärung von Ideen- und Funktionswandel durch Bilder dient, mit der Voraussetzung, daß Insignien als bildliche Projektionen von Ideen zu verstehen sind.

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