Linie Linie
Sitemap
 
Sie sind hier: Startseite Pressemeldungen Archiv 2009 Alles noch einmal neu entdecken

Alles noch einmal neu entdecken

Dominik Finkelde über den Philosophen Slavoj Žižek. Persönliche Würdigung einer wissenschaftlichen Arbeit

 

München, 23.11. ( HfPh) Slavoj Žižek (geb. 1949), Philosoph, Kulturkritiker und Psychoanalytiker aus Slowenien, dessen Werk international zunehmend diskutiert wird, hat dem Lehrbeauftragten für Literaturwissen-schaft an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München, Dominik Finkelde SJ (geb. 1970), eine sehr persönlich gehaltene Würdigung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung über sein Werk übermittelt. Auch ihm selbst diene Finkeldes Arbeit „als Einführung in meine Theorie“, schrieb der Philosoph dem Autor. Sie erlaube ihm, den Schwächen seines Gedankengebäudes kritisch gegenüberzutreten und „die noch dunklen Bereiche zu überarbeiten“. Bei der Lektüre habe er das Gefühl gehabt, Finkelde verstehe seine Gedanken und die seiner Argumentation zugrunde liegende Logik „bisweilen besser als ich selbst“.

Der Jesuit, promovierte Philosoph und Literaturwissenschaftler Finkelde hat sich in einem soeben im Wiener Verlag Turia + Kant veröffentlichten Buch (Slavoj Žižek zwischen Lacan und Hegel) mit der politischen Philoso-phie, Metapsychologie und Ethik des in Fachkreisen als genial wie auch als provokant geltenden und daher immer wieder umstrittenen Žižek kritisch auseinandergesetzt. Žižek, der noch die Ära des kommunistischen Jugoslawien erlebte und in dessen Endzeit als Dissident aktiv war, hat sich unter anderem mit Karl Marx und vor allem mit dem französischen Psychoanalytiker Jacques Lacan (1901-!981) befasst und dessen neue und radikale Interpretation der Schriften von Sigmund Freud auf die Bereiche der Popkultur und der Gesellschaftskritik übertragen.

Finkeldes Veröffentlichung ist auf das Werk eines zuweilen widersprüchlich erscheinenden Interpreten von Zeit und Welt gerichtet, der keinen methodischen Bauplan eines philosophischen Systems vorlegt. In Žižeks Werk verberge sich ein entschiedener Wille, alles noch einmal neu zu entdecken und die Philosophiegeschichte radikal neu interpretieren zu wollen. Er beginne eine von seinen philosophischen Dialogpartnern radikal sich absetzende „Neulektüre philosophischer Probleme“. Žižeks umfangreiches und reichhaltiges Werk höre nicht auf, sich weiter zu entfalten, schreibt Finkelde. Seine Fragestellungen würden in den verschiedensten Disziplinen aufgenommen, so nicht nur in Philosophie und Psychoanalyse, sondern auch in Literatur- und Filmwissenschaft. (wr)

„Upon finishing Finkelde's book on me, I had the uncanny experience of a double: of someone who sometimes understands my thought, the logic of reasoning which underlies it, better than myself! Finkelde acts like my analyst, reducing the confused mumble of my ratiocinations to precise formulas. Without irony, this book will also serve me as an introduction to myself, allowing me to critically confront weaknesses in my edifice, to elaborate the shadowy domains.“ (Slavoj Žižek)

Hinweis: Dominik Finkelde, Slavoj Žižek zwischen Lacan und Hegel. Politische Philosophie – Metapsychologie - Ethik, Verlag Turia+Kant.

Artikelaktionen