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Durch Klimaschutz die Armut bekämpfen

Wissenschaftler fordern Kurskorrektur der Klima- und Entwicklungspolitik „Die Atmosphäre darf nicht weiter kostenlos genutzt werden“ (16.2.09)

München / Potsdam, 16. Februar 2009 (HfPh)   Angesichts dramatischer Auswirkungen des Klimawandels auf die Armen in den Entwicklungsländern haben jetzt Wissenschaftler in München und Potsdam eine Kurskorrektur in der Klima- und  Entwicklungspolitik der Industriestaaten gefordert. Die Industriestaaten seien die Hauptverursacher des Klimawandels, die Armen in den Entwicklungsländern dagegen besonders stark von seinen schädlichen Folgen betroffen, heißt es in einem Dossier zu einem seit 2007 laufenden Forschungsprojekt, das den Zusammenhang von Klimawandel und Armut untersuchen soll. Globaler Klimaschutz lasse sich nur erreichen, wenn die Industriestaaten den Entwicklungsländern ein faires Angebot machten, das deren Interessen berücksichtige.

Das Forschungsprojekt, das 2010 abgeschlossen wird, führen das Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München und das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das die Bundesregierung in Fragen des Klimawandels berät, gemeinsam durch. Auftraggeber sind das seit Jahrzehnten in der Entwicklungsarbeit tätige katholische bischöfliche Hilfswerk Misereor in Aachen und die Münchener Rück Stiftung „Vom Wissen zum Handeln“, die Forschungsarbeiten unterstützt.

Klimaschutz und Armutsbekämpfung gehören zusammen

Die Forschungsarbeit ziele auf effiziente Lösungen für das Klimaproblem, sagte am 27. Januar der Manager des Projektes, Michael Reder, vom Münchner Institut für Gesellschaftspolitik. Reder, der an der Jesuitenhochschule Sozial- und Religionsphilosophie lehrt, erklärte wörtlich: „Klimaschutz und Armutsbekämpfung gehören zusammen.“ Dies zeigten bereits die ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes. Die Industriestaaten müssten sich jetzt der „Herausforderung für eine gerechte Welt“ stellen. Klimaschutz und Entwicklungspolitik müssten eng miteinander verbunden werden.  Eine faire Aufteilung der Lasten zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern sei dazu eine „zentrale Vorraussetzung“.

Kosten für globalen Energieumbau volkswirtschaftlich akzeptabel
Für das Potsdam-Institut äußerte sich dessen stellvertretender Direktor und Chefökonom, Ottmar Edenhofer, zu den Kosten, die für den Umbau des globalen Energiesystems veranschlagt werden müssten. Sie lägen bis 2030 bei etwa einem Prozent des weltweiten Sozialproduktes. Somit seien sie relativ gering, volkswirtschaftlich akzeptabel und daher auch der Gesellschaft vermittelbar. Für das angestrebte politische Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, gebe es eine Mindestvoraussetzung: „Die Atmosphäre darf nicht weiter kostenlos genutzt werden.“ Erst wenn der Ausstoß von Kohlendioxid etwas koste, lohne es sich betriebswirtschaftlich, über erneuerbare Energieträger oder die Kohlenstoffabscheidung nachzudenken. Ein weltweiter Markt für Emissionsrechte wäre dazu das geeignete Mittel, sagte Edenhofer.

Blick auf gemäßigte Klimazonen - eine verkürzte Sicht

Die Münchner Hochschule für Philosophie der Jesuiten hatte sich bereits in ihrem letzten Jahresbericht mit dem Thema Klimawandel und Armut auseinandergesetzt. Pater Johannes Müller SJ, Professor für Sozialwissenschaften und Entwicklungspolitik und Leiter des Instituts für Gesellschaftspolitik hatte kritisiert, dass meist nur die Auswirkungen des Klimawandels auf die gemäßigten Klimazonen diskutiert würden, etwa der Gletscherschwund in den Alpen oder mögliche Wohlstandseinbußen. Dies sei eine verkürzte Sicht. Hauptbetroffene seien schon heute und auch weiterhin die in den ärmsten Regionen der Welt lebenden Menschen. Müller, der 20 Jahre lang an der Jesuitenhochschule in der indonesischen Hauptstadt Jakarta lehrte und die Probleme eines Entwicklungslandes aus eigener Anschauung und Erfahrung kennt, hält es für notwendig, Lebensstil und Konsumethik in den Industriestaaten selbstkritisch zu überdenken. Dies bedeute jedoch keineswegs einfach nur Verzicht, sondern biete sogar die Chance zu neuer Lebensqualität. (wr)

Ansprechpartner und Hinweis

Dr. Michael Reder, Manager des Forschungsprojektes „Klimawandel und Gerechtigkeit“. Telefon: 089/2386-2357 (Email: michael.reder@hfph.mwn.de)
Projektdarstellung und das Dossier im Internet unter www.klima-und-gerechtigkeit.de

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