Für „spannungsfreien Umgang“ mit Neuem Atheismus
Dialog statt militanter Auseinandersetzung um die Gottesfrage
München, 14.12. (HfPh) Gläubige Menschen sollten sich auf einen
„spannungsfreien Umgang“ mit naturalistischen Erklärungsversuchen des
Religiösen einlassen, wie sie etwa im Zeichen eines neuen Atheismus
verstärkt diskutiert werden. Dies hat der Philosoph und Biologe
Professor Christian Kummer SJ, der an der Hochschule für Philosophie
der Jesuiten in München lehrt, empfohlen. Der Wissenschaftler warnte
zugleich im Rahmen einer Ringvorlesung an der Hochschule zum Thema
Wieviel Religion kann die Naturwissenschaft erklären vor einer
wachsenden Militanz in der öffentlichen Auseinandersetzung um die
Gottesfrage.
Gläubige sollten sich gegen naturalistische Religionserklärungen nicht abschotten, sondern sie im Gegenteil ernst nehmen. Die Palette an natürlichen Erklärungen von Religion könne reichhaltiger sein als es dem Gläubigen lieb sei. Aber er könne alle Faktoren, die für eine Evolution von Religion angeführt würden, getrost zur Kenntnis nehmen, ohne der Versuchung zu erliegen, sie gleich als unzureichend abzutun. Auch der Naturalist stehe schließlich „vor derselben Wand der Unkenntnis wie der Gläubige“. Er könne seine Erklärungen nicht als „letztes A und O über die Existenz transzendenter Bezüge“ deklarieren.
Der Gläubige sei nicht einer, der mehr erkenne oder wisse als der Ungläubige, sondern derjenige, „der hinter der Mauer der Unerkennbarkeit jene Wirklichkeit erhofft, erwartet, ersehnt, von der er in seinem Glauben spricht“. Erst und nur unter der Voraussetzung dieses Glaubens, „dass das Unerkennbare Wirklichkeit sein möge“, sei es statthaft, Theologie zu treiben und Aussagen über Gott zu machen. Offenbarung sei also kein höheres eingegossenes Wissen, „sondern eine Option, eine Hoffnung“. Das Phänomen der Allgegenwart des Religiösen als „Konstitutivum praktisch aller Kulturen“ könne der Gläubige bei aller natürlichen Erklärbarkeit als „Zeichen für die Berechtigung seiner Hoffnung“ nehmen.
Kummer kritisierte die Heftigkeit, mit der der Neue Atheismus sich nicht mehr nur gegen fanatische Auswüchse, sondern gegen den Gottesglauben insgesamt positioniere, den er als „Wurzel allen Übels“ sehe. So mache beispielsweise der britische Biologe und in atheistischen Gruppierungen engagierte Richard Dawkins ein „krudes Gottesbild“ zur Zielscheibe seiner Angriffe auf Religion. In dieser Auseinandersetzung gehe es nicht nur um die Ablehnung des Schöpfungsglaubens, sondern um die Bekämpfung des Irrationalismus, der jeder Form von Religion unterstellt werde. Kummer hält einen „fruchtbaren Dialog“ für möglich und notwendig. (wr)
