Neue Enzyklika Caritas in Veritate
„Wichtiges Dokument“ zur Globalisierung. Wissenschaftler sehen aber auch „thematische Lücken“. Professoren der Hochschule für Philosophie zu neuer Enzyklika
München, 7. Juli 2009 (HfPh) Als wichtiges, den großen sozialen und politischen Themen der Zeit zugewandtes Dokument haben Professoren der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München, die dritte Enzyklika „Caritas in Veritate“ von Papst Benedikt XVI. begrüßt. Die Globalisierung und ihre ökonomischen, sozialen und politischen Herausforderungen stünden im Zentrum des Schreibens. Dies erklärten am Dienstag, 7. Juli in München unmittelbar nach Veröffentlichung der Enzyklika namens des renommierten Institutes für Gesellschaftspolitik der Hochschule dessen Leiter Johannes Müller SJ, Professor für Sozialwissenschaften und Entwicklungspolitik und Johannes Wallacher, Professor für Sozialwissenschaften und Wirtschaftsethik in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Die Enzyklika betone zu Recht, dass die Globalisierung als Prozess der Beschleunigung und Vertiefung wechselseitiger Verflechtungen und Abhängigkeiten weit mehr als nur die ökonomische Dimension umfasse. Die Aufgabe bestehe darin, die Globalisierung im Dienste des Menschen und einer menschenwürdigen Entwicklung für alle zu gestalten, erklären die Wissenschaftler. Das theologisch begründete Nachdenken über die Caritas – die Liebe – ebenso über Gerechtigkeit und Gemeinwohl werde als wichtiger Wert für stabile und funktionsfähige Wirtschaftsprozesse und den Zugang der Armen zu den Märkten herausgestellt. Dies erläutere der Papst an ganz konkreten Problemstellungen, so an den Missständen, die sich durch freie Exportproduktionszonen oder ein einseitiges Verständnis des „Share-Holder-Value-Prinzips“ ergäben, wonach Unternehmen fast ausschließlich ihren Investoren verpflichtet seien, nicht aber auch Arbeitnehmern, Kunden, Zulieferern oder generell der Gesellschaft.
Die Professoren sehen das römische Dokument in der Tradition der 1967 von Papst Paul VI. veröffentlichten und als epochal geltenden Enzyklika „Populorum Progressio“, wenngleich es die Perspektive und Probleme der Entwicklungsländer nicht so zentral wie diese behandle. Als „thematische Lücke“ werten es die Wissenschaftler, dass die Enzyklika zwar auf Umweltzerstörung, die Energieproblematik und Fragen einer Generationen übergreifenden Gerechtigkeit hinweise, den Klimawandel aber nur in einem Nebensatz erwähne, obwohl dieser für die Verbindung von Entwicklung und Gerechtigkeit von zentraler Bedeutung sei. Auch die Frage der Gendergerechtigkeit sei in der Enzyklika nur indirekt thematisiert. Es sei jedoch entwicklungspolitisch von größter Bedeutung, die Rolle der Frauen durch Bildung und mehr Rechtssicherheit zu stärken, damit sie auf allen gesellschaftlichen Ebenen ebenso wie Männer Verantwortung übernehmen könnten.
Die Professoren Müller und Wallacher sind auch als Sachverständige in Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz tätig. So ist Müller Vorsitzender der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben, Wallacher u.a. Vorsitzender der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ (wr/mr)
Wortlaut der Stellungnahme finden sie hier.
