Benefizkonzert mit Mysteriensonaten von Biber
„Ungewöhnlichster Kompositionszyklus der Musikgeschichte“ - Geheimnisvolle Verbindung von Spiritualität und Zahlensymbolik (12.11.)
München, 9.11.2009 (HfPh) Einer der nach fachlichem Urteil „ungewöhnlichsten Kompositionszyklen des 17. Jahrhunderts und der Musikgeschichte überhaupt“ (Rüdiger Lotter) wird in einer besonders authentischen Interpretation am Donnerstag, 12. November, in der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München zu hören sein (Aula, Kaulbachstrasse 31, Beginn 19.30 Uhr). Rüdiger Lotter und sein Ensemble Lyriarte werden 10 der insgesamt 16 Mysterien- und Rosenkranzsonaten des böhmischen Komponisten Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) bei einem Benefizkonzert, dessen Erlös der Hochschule zugute kommt, aufführen. Das Konzert wird von BR alpha aufgezeichnet.
Lotter, der über das kompositorische Werk Bibers geforscht und sich dabei besonders mit den Rosenkranzsonaten auseinandergesetzt hat, zählt den Jesuitenschüler zu den bedeutendsten Repräsentanten der deutschen Violinschule vor 1700. Mit der Einspielung der Sonaten haben Lotter und sein Ensemble internationale Beachtung gefunden und mehrere Preise gewonnen. Die Ausführenden beim Benefizkonzert sind: Rüdiger Lotter, Barockviolinen; Olga Watts, Cembalo und Truhenorgel; Axel Wolf, Laute und Theorbe.
Die Rosenkranzsonaten interpretieren musikalisch die jeweils fünf Gesätze des Freudenreichen, des Schmerzhaften und des Glorreichen Rosenkranzes. Im Rosenkranzgebet wird die biblische Verkündigung über Stationen des Lebens und Wirkens Christi von der Geburt bis zur Passion, Auferstehung und Himmelfahrt meditativ betrachtet und mit einer besonderen Anrufung der Gottesmutter verbunden. Dabei werden die vier Saiten der Barockvioline in jeder Sonate anders gestimmt. Mit den 15 verschiedenen Stimmungen versucht der Komponist nicht nur, „jeder Sonate eine eigene seelische Grundstimmung zuzuordnen“, wie Interpret Lotter erläutert, sondern vor allem auch auf dem Hintergrund der Astronomie Keplers die Himmelsharmonie abzubilden.
Neben der ausdrucksvollen Spiritualität des Kompositionszyklus hat das Werk auch durch seine ausgeprägte Zahlensymbolik einen besonderen Reiz. Entsprechend dem schon in der Antike formulierten Gedanken, wonach in allen Erscheinungsformen der Schöpfung eine auf Zahlen beruhende Ordnung walte, ist für die Rosenkranzsonaten nachgewiesen worden, dass Biber sie als ein auf der Basis der Zahl geordnetes Kunstwerk konzipiert hat. In zwei Kurzvorträgen werden der Physiker Professor Harald Lesch zum Werk Bibers über die Verbindung von mathematischen, astronomischen und musiktheoretischen Gedanken sprechen; der Philosoph und Rektor der Hochschule, Professor Michael Bordt SJ, wird mit Blick auf die jesuitische Prägung des Komponisten über den Geist der Exerzitien des Ordensgründers Ignatius sprechen. Bordt wird auch mit Rüdiger Lotter über das Werk Bibers diskutieren. (wr)
Hinweis: Restkarten gibt es am Abend. Wir bitten um eine großzügige Spende zu Gunsten der Hochschulstiftung.
