Der Erziehung zu Werten verpflichtet
Abschiedsvorlesung von Professor Rüdiger Funiok (28.1., 19 Uhr): Profilierter Pädagoge und Medienethiker wird emeritiert
München, 20.1. (HfPh) Rüdiger Funiok SJ (67), einer der profilierten Erwachsenenpädagogen und Medienethiker in Deutschland, wird emeritiert. Er lehrt seit 1981 an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München, seit 1992 als Professor für Pädagogik und Kommunikationswissenschaft. Das renommierte Institut für Kommunikationswissenschaft und Erwachsenenpädagogik (IKE) der Hochschule leitet er seit 1987.
In seiner Abschiedsvorlesung, die er am Donnerstag, 28. Januar, in der Aula der Hochschule (Kaulbachstrasse 33, Beginn 19.00 Uhr) halten wird, will Funiok zum Thema Bildung und Religiosität sprechen. Er wird dafür plädieren, den Bildungsbegriff für Religiosität offen zu halten. Religiosität gehöre auch in der Gegenwart zum Kanon der Bildung. Eine akzentuierte und profilierte religiöse und ethische Bildung schaffe Voraussetzungen dafür, im öffentlichen Leben mit Religiosität umzugehen. Der Wissenschaftler wird weiterhin Vorlesungen halten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten von Studierenden betreuen und als Institutsleiter tätig sein.
Funiok, der am 26. März 1942 im oberschlesischen Karvina, heute Tschechien, geboren wurde, trat 1962 in den Jesuitenorden ein. Nach einem zweijährigen Erzieherpraktikum studierte er Pädagogik für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Nürnberg, anschließend Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen der Jesuiten in Frankfurt am Main. 1973 wurde er in München zum Priester geweiht. An der Universität München promovierte Funiok 1980 in Pädagogik. In seiner Dissertation Fernsehen lernen – eine Herausforderung an die Pädagogik setzte er sich mit Theorie und Praxis der Fernseherziehung auseinander. Seit 1981 lehrt er an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München, zunächst als Lehrbeauftragter, ab 1984 als Dozent und nach seiner Habilitation für Pädagogik an der Universität Regensburg ab 1993 als Professor für Pädagogik und Kommunikationswissenschaft.
Der Wissenschaftler, der sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit Themen und Problemen der Erwachsenenpädagogik, mit dem Einsatz von Medien in Lehr- und Lernprozessen, vor allem auch mit einer an Werten orientierten Medienerziehung und Fragen der Medienethik auseinandergesetzt hat, ist aktives Mitglied in zahlreichen Fachgruppen. So gehört er der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) an, ebenso der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK) und der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). Seit 1997 wirkte er auch als Sprecher des deutschlandweiten Netzwerkes Medienethik, dessen Mitbegründer er ist.
In seinem Lehren und Forschen räumt Professor Funiok dem Begriff Verantwortung einen entscheidenden Stellenwert ein. So sieht er in einer verantwortungsbewussten freiwilligen Selbstbindung an Werte, die im Ernstfall über die handwerkliche Routine hinausgeht, den Kern ethischen Handelns in den Medien. Die als Unternehmer wie als Journalisten, PR-Leute oder Künstler in den Massenmedien Verantwortlichen könnten sich entsprechend dem verfassungsmäßigen Auftrag an die Medien, zur demokratischen Willensbildung beizutragen, den Regeln eines verantwortlichen Sprechens und Zeigens nicht entziehen. Es gebe aber auch eine Mitverantwortung des Publikums, Qualität wertzuschätzen und dies durch entspre-chende Auswahl von Medien und Programmen wie auch durch Rückmeldungen auszudrücken. (wr)
