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Für wirksamen Schutz vor sexuellen Übergriffen

Jesuit Bordt: Offene Diskussion über Missbrauch eine Chance

 

München, 8. Februar 2010 (HfPh) In der von Verantwortlichen des Jesuitenordens in Deutschland geführten offenen Auseinandersetzung über sexuellen Missbrauch an von Jesuiten geführten Gymnasien in der Bundesrepublik sieht der Philosoph Michael Bordt SJ auch eine Chance für seine Ordensgemeinschaft und für die ganze Gesellschaft. In einem sehr persönlich gehaltenen Beitrag Bordts für die Tageszeitung Die Welt (vom 8.2. 2010) schrieb der Rektor der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München: „In der Offenheit und Transparenz mit der unsere Verantwortlichen der Sache nachgehen und in dem Vertrauen, das die Opfer uns schenken, liegt Kraft und Stärke.“ Nur dadurch könne Neues und Befreiendes geschehen.

Er und mit ihm viele der heute etwa 400 deutschen Jesuiten hätten den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Ordensmitglieder in Deutschland noch vor kurzem schlicht nicht für möglich gehalten. Ihn persönlich erfülle es mit Scham, mit dieser ihm bisher unbekannten Seite seines eigenen Ordens in Deutschland konfrontiert zu werden. Durch die jetzt bekannt gewordenen Übergriffe von drei Angehörigen des Ordens vor etwa zwanzig und dreißig Jahren seien die Jesuiten persönlich und institutionell in eine Krise geraten. In dieser Krise könnten sich aber die Stärken des Ordens, nämlich „die Verpflichtung zu Glaube und Gerechtigkeit, zu Wahrheit und Werten“, neu zeigen.

Bordt warnte vor kurzschlüssigen Erklärungsversuchen. So helfe es nicht weiter, zu bedenken, dass die meisten Missbrauchsfälle sich nach wie vor in Familien abspielten und es in nichtkirchlichen Kindergärten, Kinderheimen, Sportvereinen und Schulen ebenfalls Missbrauchsfälle gebe. Mit solchen Gedanken widerfahre den Opfern keine individuelle Gerechtigkeit. Richtig daran sei allerdings, dass Kindesmissbrauch kein spezifisch kirchliches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. Wörtlich schrieb der Rektor der Hochschule: „Wer mit dem Finger ausschließlich auf die katholische Kirche und in diesen Tagen auf den Jesuitenorden zeigt, mag seine eigenen Gründe dafür haben. Er verhindert aber eine notwendige Diskussion darüber, wie Kinder in ihrer besonderen Fragilität und Verletzlichkeit wirksam vor Übergriffen und Missbrauch – und zwar in allen seinen Formen – geschützt werden können.“ (wr)

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