Glaube: Was zählt noch?
TV-Diskussion mit Landesbischof Friedrich und dem Philosophen Bordt: Kritische Nachfrage zur Situation des christlichen Glaubens
München, 25.1. (HfPh) Einer kritischen Nachfrage zur Situation des christlichen Glaubens in der modernen Welt stellen sich im Fernsehen der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, und der Rektor der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München, Professor Michael Bordt SJ. Die Diskussion zum Thema Glaube - Was zählt noch?, die auch den kommenden Zweiten Ökumenischen Kirchentag im Mai dieses Jahres im Blick hat, moderiert der Münchner Unternehmer und bekennende Christ, Erich Lejeune in der von ihm gegründeten Lejeune-Academy. Die Sendung wird am 30. Januar um 21 Uhr von münchen.tv in der Reihe Brennpunkt Motivation erstmals ausgestrahlt und am 6. Februar zur gleichen Uhrzeit wiederholt.
Mit dem seit 1999 amtierenden Landesbischof Friedrich, der 2,5 Millionen Lutheraner in Bayern in der Öffentlichkeit repräsentiert, und dem Philosophen und Jesuiten Michael Bordt treffen zwei profilierte Exponenten des christlichen Lebens in Bayern zusammen. Laut Internetauftritt der Landeskirche ist der Landesbischof nach evangelisch-lutherischem Verständnis ausdrücklich kein „Oberhirte“. Er hat „kein Mehr an geistlicher Vollmacht“ als die Pfarrerinnen und Pfarrer, übt aber das Predigeramt nicht nur wie diese in einer ihnen zugewiesenen Gemeinde, sondern im gesamten Gebiet der Landeskirche aus. Bordt, der 1988 in den Jesuitenorden eintrat und 1992 zum Priester geweiht wurde, lehrt Philosophie, Anthropologie und Ästhetik an der Jesuitenhochschule, deren Rektor er seit 2005 ist.
In seinem traditionellen Gespräch zum Jahresbeginn im Münchner Presseclub hatte der Landesbischof unter Hinweis auf verbreitete Ängste vor einer Klimakatastrophe und den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise den christlichen Glauben als „ein starkes und wirksames Gegenmittel gegen die Angst“ bezeichnet. Es stimme ihn aber sehr bedenklich, dass sehr viele Menschen in der Kirche nicht mehr den Ort sähen, wo sie den von ihnen gesuchten geistlichen und spirituellen Halt finden könnten. Eigentlich sollten in Krisenzeiten die Kirchen voll, die Angebote der Kirchengemeinden mehr nachgefragt sein als sonst. Der Landesbischof hatte in diesem Zusammenhang für eine neue Sicht evangelischer Kommunitäten und geistlicher Gemeinschaften geworben, die in der Tradition altchristlicher monastischer Bewegungen nach den evangelischen Räten der Armut, Keuschheit und des Gehorsams leben. Deren Erfahrungen könnten für die ganze Kirche segensreich sein.
Für Professor Bordt führt ein vertiefter Weg zum Glauben „nicht
ausschließlich durch Fröhlichkeit, Gemeinschaft und die guten Dinge des
Lebens“, sondern ebenso „durch Einsamkeit, durch Krisen“, sogar bis
dahin, den Glauben zu verlieren, wie er im vergangenen Jahr bei einem
Gottesdienst zur Semestereröffnung sagte. Zur Lebenshilfe wird der
Glaube, wenn er nicht als eine zu erbringende moralische Leistung
gesehen wird, sondern als Möglichkeit sich darauf zu verlassen, „dass
Gott immer da ist“. Glauben ohne eine vertiefte Spiritualität, ohne
Mystik hält er für nicht zukunftsfähig. In einem unter dem Titel Was in
Krisen zählt vor einem Jahr veröffentlichten Sachbuch hatte er sich für
ein vertieftes und auch unbequemes Nachdenken über die Ursachen von
Krisen ausgesprochen, die dadurch zur echten Chance für einen Neubeginn
werden könnten. (wr)
