Globale Finanzkrise als ethische Herausforderung
Wissenschaftler nehmen Krisenmanagement der Politik unter die Lupe. Diskussion mit Finanzminister Fahrenschon über Lösungsansätze
München 6. Juni (HfPh) Wege aus der seit zwei Jahren anhaltenden weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise wollen Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen aus Deutschland und der Schweiz jetzt bei einem Symposion am 11. und 12. Juni in der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München (Kaulbachstraße 31) diskutieren. Dabei soll es unter anderem um ein globales Krisenmanagement und die Rückbindung der Finanzwirtschaft an das Gemeinwohl gehen. An einem abschließenden Podium über Lösungsansätze für eine nachhaltige globale Finanzordnung wird der bayerische Staatsminister für Finanzen, Georg Fahrenschon (CSU) teilnehmen (Samstag, 12. Juni, 12 Uhr).
Das interdisziplinäre Symposion nimmt die globale Finanzkrise als ethische Herausforderung, so das gewählte Thema, unter die Lupe. Veranstaltet wird das Symposion im Rahmen des von der Rottendorf-Stiftung finanzierten Forschungs- und Studienprojektes Globale Solidarität – Schritte zu einer neuen Weltkultur, das seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Hochschule angesiedelt ist und sich mit den Bedingungen einer neuen Weltkultur und entsprechenden aktuellen Fragestellungen auseinandersetzt.
Das wirtschaftsliberale Konzept einer fortschreitenden Deregulierung der Finanzmärkte sei durch die Krise unübersehbar ins Wanken geraten, sagte im Vorfeld des Symposions der Leiter des Rottendorf-Projektes an der Hochschule, Professor Johannes Wallacher. Deshalb müsse das Verhältnis von wirtschaftlichem Wettbewerb und staatlicher Neuordnung neu justiert werden. Das Symposion solle dazu beitragen, Lehren aus der Krise zu ziehen und Handlungsoptionen für eine (mit Blick auf die besonderen Probleme der Entwicklungsländer) ethisch vertretbare globale Finanzordnung zu erörtern.
Unmittelbar bei Ausbruch der Krise sei ein politischer Wille erkennbar gewesen, sich über eine Neuordnung der Finanzmärkte global abzustimmen. Die politischen Bemühungen drohten jetzt aber zu erlahmen und Vertreter von Finanzinstituten sähen sich dadurch legitimiert, zum business as usual zurückzukehren. Die Probleme des gegenwärtigen politischen Krisenmanagements, allen voran die langfristigen Folgen ausufernder Staatsverschuldung, seien offensichtlich. Die Handlungsspielräume der Staaten könnten bis weit in die Zukunft eingeschränkt werden, warnte der Wissenschaftler. (wr)
Hinweis: Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen können als Berichterstatter am Symposion teilnehmen.
Vermittlung von Gesprächspartnern bei Prof. Dr. J. Wallacher (Tel.: 089/2386-2359)
Detailliertes Programm des Symposions finden sie hier.
