Solotänzer tanzt Bachs Chaconne
Festgottesdienst zum Abschluss der Ballettfestwochen am 9. Mai (11 Uhr)
München, 5. Mai (HfPh). Mit einem Festgottesdienst in der Münchner Pfarrkirche St. Sylvester (Altschwabing, Biedersteinerstr. 1) werden am kommenden Sonntag, 9. Mai, die Ballettfestwochen 2010 des Bayerischen Staatsballetts abgeschlossen. Bei der künstlerischen Gestaltung der Eucharistiefeier (Beginn: 11 Uhr) wird ein Solist des Staatsballetts mitwirken. Javier Arno Gonzalez tanzt nach der Musik der Chaconne aus der zweiten Partita für Violine solo in d-Moll von Johann Sebastian Bach (1685-1750) in einer Bearbeitung für Klavier von Ferruccio Busoni (1866-1924). Die Choreographie stammt von José Limón (1908 -1972), einem der bedeutendsten Vertreter des Tanzes im 20. Jahrhundert.
Jesuitenpater Christof Wolf SJ, Filmemacher und Leiter der ordenseigenen Filmproduktionsfirma Loyola Productions, ist der Zelebrant und Prediger des Gottesdienstes, der im Rahmen der von den Jesuiten der Münchner Hochschule für Philosophie eingerichteten Gottesdienstreihe Denken & Beten gefeiert wird. Der Rektor der Hochschule, Philosophieprofessor Michael Bordt SJ, wird eine Einführung geben.
Künstlerischer Tanz als Element der Gestaltung des katholischen Gottesdienstes ist ungewöhnlich aber möglich. In der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanums heißt es, „alle Formen wahrer Kunst“, sofern sie das Gebet inniger zum Ausdruck bringen und die Riten mit größerer Feierlichkeit umgeben könnten, seien zur Liturgie zugelassen (Lit. 112).
Bachs Chaconne, die seine zweite Partita beschließt, gilt als eines der klassischen Stück für die Solovioline. In einer dem Wesen und Geist der Kunst Bachs gewidmeten ästhetischen Studie schrieb der Arzt, Theologe und Musikforscher Albert Schweitzer (1875-1965) über die Chaconne: „Aus einem Thema zaubert Bach eine ganze Welt hervor. Es ist, als ob der Schmerz mit der Freude ränge und beide sich zuletzt in einer großen Resignation zusammenfänden.“ José Limón hat das von Busoni für Klavier bearbeitete Werk 1942 choreographiert. An der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes zum Abschluss der Ballettfestwochen wird auch der Organist von St. Silvester, Marcus Sterk, an der Orgel mitwirken. (wr)
