Spiritual Care jetzt auch in Deutschland medizinische Disziplin
Festakt und Antrittsvorlesung am 21. Dezember an der Universität München
München, 20.12.2010 (HfPh) Am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München wird die erste Professur in Deutschland für das wissenschaftlich noch wenig erschlossene Feld der Spiritualität in der Medizin (Spiritual Care) mit einem Festakt und einer Antrittsvorlesung offiziell errichtet. Zu dem Festakt, der am Dienstag, 21. Dezember, 11 Uhr im Hörsaal des Haunerschen Kinderspitals (Lindwurmstraße 4) stattfindet, hat der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Maximilian Reiser, gemeinsam mit den Dekanen der Fakultäten für Katholische und Evangelische Theologie, den Professoren Konrad Hilpert und Christoph Levin sowie dem Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin, Professor Gian Domenico Borasio, eingeladen. Grußworte werden unter anderem der Evangelisch-Lutherische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, und der neue Provinzial des Jesuitenordens, Pater Stefan Kiechle SJ, sprechen.
Auf den neuen Lehrstuhl, eine Stiftungsprofessur für Spiritual Care des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, hatte die Universität München zwei Wissenschaftler berufen: Professor Eckhard Frick SJ, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychiater und Psychoanalytiker, und den evangelischen Theologen Professor Traugott Roser. Beide haben bereits beim Projekt Seelsorge im Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin in München und im gleichfalls Interdisziplinären Arbeitskreis Medizin und Spiritualität mit Experten der LMU zusammengearbeitet. Sie hatten ein in Fachkreisen als richtungweisend für die neue Disziplin beachtetes Buch mit wissenschaftlichen Beiträgen von Ärzten, Psychologen, Klinikseelsorgern, Soziologen, Theologen und Ethikern publiziert. Die ökumenische Besetzung des neuen Lehrstuhls ist eine in der Öffentlichkeit viel beachtete Besonderheit. Frick und Roser werden ihre Antrittsvorlesung zum Thema „Spiritual Care zwischen Grenzüberschreitung und Notwendigkeit“ halten. Frick lehrt bereits als Professor für Psychosomatische Anthropologie an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München und wird diese Tätigkeit auch weiter ausüben.
Mit der Errichtung der Stiftungsprofessur wird die Spiritualität im Krankenhaus und bei der Begleitung Sterbender in Deutschland erstmals zu einer anerkannten medizinischen Disziplin. Spiritual Care ist für Patienten, ihre Angehörigen wie auch für behandelnde und pflegende Berufe eine wichtige Orientierung, um Grenz- und Schwellensituationen zu bewältigen. In mehreren englischsprachigen Ländern sowie in der Schweiz ist Spiritual Care bereits als medizinische Disziplin vor allem bei der Behandlung von Tumoren und in der Palliativmedizin anerkannt. Dabei werden Glaubens-, Wert- und Weltanschauungssysteme aller Patienten berücksichtigt, ausdrücklich nicht nur die religiöser Menschen.
Die musikalische Gestaltung des Festaktes übernimmt die Yehudi Menuhin Live Music Now. Die 1977 von dem Geiger Yehudi Menuhin gegründete Organisation organisiert Konzerte in sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Altenheimen, Behindertenstätten oder Gefängnissen. Die Konzerte werden von ausschließlich ehrenamtlichen Mitgliedern organisiert und in der Regel von jungen Musiker aufgeführt, die nicht nur über eine künstlerische Qualifikation verfügen, sondern auch sensibel und interessiert für Menschen in besonderen oder schwierigen Lebenssituationen sind. Der erste Verein dieser Art in Deutschland wurde 1992 in München gegründet. (wr)
