Wissen und Glauben bei Kant – ein historisches Missgeschick?
Öffentlicher Vortrag an der Hochschule für Philosophie am 14. Juni 2010 um 19.30 Uhr
9. Juni (HfPh). Die Frage nach dem Verhältnis von Glauben und Wissen ist nicht erst seit der Regensburger Rede des Papstes ein zentrales Thema. In der Geschichte der Philosophie und Theologie war es vielmehr schon immer ein Angelpunkt der Frage nach der Religion – auch bei dem großen deutschen Philosophen Immanuel Kant. Prof. Sans aus Rom wird zu dem Verhältnis von Glauben und Wissen bei Kant einen öffentlichen Vortrag an der Hochschule für Philosophie (Kaulbachstraße 31a) am Montag den 14. Juni 2010 um 19.30 Uhr halten.
Für Kant kennzeichnet der Gegensatz zwischen Wissen und Glauben nicht nur das Verhältnis der Philosophie zur Religion. Der Begriff des Wissens steht vielmehr auch für die fehlgeschlagenen Versuche, die Existenz Gottes theoretisch zu beweisen. Der Begriff des Glaubens dagegen bezeichnet den einzig weiterhin offenen, nämlich den praktischen Weg der Erkenntnis Gottes. Dass Gott existiert, lässt sich nach Kant nicht aus theoretischen Prinzipien ableiten, sondern nur ausgehend vom menschlichen Bewusstsein der sittlichen Pflicht einsehen.
Kants Kritik der spekulativen Metaphysik und der Übergang zu einem moralischen Vernunftglauben werden gewöhnlich als ein Prozess der Subjektivierung angesehen. Obwohl sich diese Einschätzung auf Äußerungen Kants berufen kann, ist sein Verständnis des philosophischen Glaubens an Gott von jeder subjektiven Beliebigkeit weit entfernt. Der Vortrag soll vielmehr deutlich machen, dass es gute Gründe gibt, an Kants eigener Ansicht, der Glaube sei ein bloß subjektiv zureichendes Fürwahrhalten, zu zweifeln.
Pater Georg Sans ist Mitglied der deutschen Provinz des Jesuitenordens. Er lehrt als Professor für Philosophiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Forschung liegen im Bereich Kants und des deutschen Idealismus. Zuletzt hat er eine Darstellung der neuesten Philosophiegeschichte im Überblick veröffentlicht (Al crocevia della filosofia contemporanea, Roma, Gregorian & Biblical Press, 2010). (mr)
