Das
Wort „Jesuitentheater" mag suggerieren, daß die Jesuiten selbst auf der Bühne stehen und spielen. Ob Jesuiten auch auf der Bühne standen, wird eine spekulative Frage bleiben. Die Theatertradition des Jesuitenordens - „das Jesuitentheater" - bricht 1773 mit der Aufhebung des Ordens durch Papst Clemens XIV (1769-1774) zusammen. Nach der Wiedererrichtung des Ordens 1814 bis heute, kann man nicht mehr von Jesuitentheater als Stilbegriff sprechen. Heute engagieren sich einige wenige
Jesuiten als Schauspieler, Regisseure und Theaterleiter vor allem in den USA. Historisch gesehen, ist es nicht unproblematisch, von dem Jesuitentheater zu sprechen. Jesuitentheater meint dann den Zeitraum von 1590-1773. Einheitlich im Sinne eines Gattungsbegriffs war das Jesuitentheater nie, aber zusammenfassend bezeichnet es das vielfältige Engagement des Ordens, um mit dem Mittel Theater
seelsorgerisch, missionarisch und bisweilen spektakulär tätig zu sein. Der 1540 gegründete Jesuitenorden engagiert sich von Beginn an vor allem im Schulwesen. Denn eine Reform der Kirche und der Gesellschaft ist nicht ohne solide allgemeinpädagogische Basis möglich. Hier hat das Jesuitentheater seinen Ursprung. Gemäß der Spiritualität des Ordens benutzen die Jesuiten die bestehenden
Formen und Möglichkeiten, um „theatralisch" tätig zu werden. Im Laufe ihrer Praxis entwickeln sie neue Theaterformen und auch inhaltlich ändern sich ihre Dramen- und Theaterstoffe. |