Im Theaterbau reicht der Bogen vom Bespielen der
Schulaula bis hin zur prunkvollen, mit viel technischer Raffinesse ausgestatteten Sukzessionsbühne (unserer heutigen Verwandlungs-Bühne) im Barock. Für die Jesuiten ist das Schultheater ein normales selbstverständliches Bildungsinstrumentarium. Sie haben ein spirituelles Fundament als Kompositionsprinzip und innere Dramaturgie ihrer Theaterinszenierungen: Die „Geistlichen Übungen"
(Exerzitien) des Ordensgründers Ignatius von Loyola (1491-1556). Ignatius gibt seinen Betrachtungen folgende Struktur: „... Die erste Hinführung ist: Zusammenstellung, indem man den Raum sieht. Hier ist zu bemerken: Bei der ‚sichtbaren' Betrachtung oder Besinnung, etwa wenn man Christus, unseren Herrn, betrachtet, der sichtbar ist, wird die Zusammenstellung darin bestehen, mit der Sicht der
Vorstellungskraft den körperlichen Raum zu sehen, wo sich die Sache befindet, die ich betrachten will... ...Schauen, beachten und betrachten, was sie [die Personen] sagen. Und, indem ich mich auf mich selbst zurückbesinne, irgendeinen Nutzen ziehen. ...schauen und erwägen, was sie [die Personen] tun [...] danach, indem ich mich auf mich zurückbesinne, irgendeinen geistlichen Nutzen ziehen." Der und die Übende bereitet nach dem Vorbereitungsgebet am Beginn einer jeden Betrachtung den „Schauplatz". Nach dem nun folgenden „id quod volo" (um das bitten, was ich in dieser Stunde von Christus bitte und begehre) betreten die biblischen Personen den inneren Schauplatz und je nach der Figurenkonstellation hören die Übenden, ... |